Eine putzige Schar Schafe. © Annette Boutellier.

 

 

 

Donkey der Schotte und das Pferd, das sich Rosi nannte. Ariane von Graffenried und Martin Bieri.

Kindermärchen.                  

Konzert Theater Bern.

Die Stimme der Kritik für Bümpliz und die Welt, 7. Dezember 2018.

 

 

"Märli ab 6 Jahren" steht auf dem Spielplan. Dieses aussergewöhnlich junge Publikum füllt nun mit seinem Geschrei und Gezwitscher das altehrwürdige Haus bis hinauf zum Flohboden. Ihm muss die Produktion gefallen, und niemandem sonst. Das Theater weiss, was auf dem Spiel steht, und geizt – wie bei allen Kinderproduktionen – nicht mit seinen Reizen. Vom Himmel fallen malerische Schneeflocken. Eine putzige Schar Schafe rennt blökend über die Bühne. Hinter der Bücherwand der Studierstube öffnet sich die weite Welt. Miteinander brechen sie auf, Esel und Pferd (die Lieblinge des jungen Publikums), der alte Herr Ritter und seine Haushälterin.

 

Sie werden verfolgt von zwei jungen Frauen, die sich herzlich zugetan sind. Die eine arbeitet als Pfarrerin, die andere als Politikerin. Beide meinen es gut mit dem Alten und mit der Welt. Darum soll Herr Ritter ins Altersheim. Schliesslich erkennt er die eigene Tochter nicht mehr. Auf seinem Grundstück sollen dann Windräder zur Gewinnung alternativer Energie aufgestellt werden. Auf diese Weise kommt alles so ins Lot, wie es sich der moderne Geist vorstellt.

 

Man sieht: Die alte Geschichte des Ritters mit der traurigen Gestalt erfährt eine Überblendung in die heutige Zeit. Darum heisst die Haushälterin Sancha Pančić und der Esel "Donkey der Schotte". Neben ihnen trottet "das Pferd, dass sich Rosi nannte". In Namen, Handlung und Situationen bringt die Aufführung laufend Anspielungen an Miguel de Cervantes' grossen Roman. Die Erwachsenen nicken wissend. Die Sechsjährigen aber sitzen da und schauen vor sich hin. Gerne wüsste man, was in ihnen vorgeht.

 

Wenn Christine Hasler als Katze Dulcinea das Spiel eröffnet und zur Gitarre greift, wird es im Saal augenblicklich still. Dann furzt der Esel. Die Knirpse lachen auf. Herr Ritter erkennt seine Anna nicht mehr. Die Kinder zeigen keine Regung. Dann wird musiziert und gesungen. Das junge Publikum steht auf und klatscht mit. Dann verwandelt sich die Bühne. Niemandem entfährt ein Ah! oder Oh! Das Kind, das unbekannte Wesen.

 

Doch dann klatschen die jungen Premierenbesucher zweimal spontan: Als das Pferd dem Esel einen Kuss gibt und als Herr Ritter den Namen der Tochter wiederfindet. Mit dieser Reaktion treiben die Kleinen dem alten Kritiker das Wasser in die Augen. Und durch sie wird das sauber erzählte und vermutlich zielgruppengerechte Theaterspektakel zum Ereignis.

 

Die Stimme der andern

> Berner Zeitung

> Der Bund

Die Bücherwand des Herrn Ritter ... 

... der sich aufmacht mit den Seinen ... 

... und einem sprechenden Löwen begegnet.