Komödie verlangt das Schwerer- und Grösser-Machen. © Karl Monika Forster.

 

 

 

Ab jetzt. Alan Ayckbourn.

Komödie.                  

Ulrike Arnold. Hessisches Staatstheater Wiesbaden.

Die Stimme der Kritik für Bümpliz und die Welt, 23. Februar 2017.

 

 

Nach der fünften Aufführung (oder war's schon die zehnte? egal, ich hab' sie nicht gezählt) - also nach der fünften oder zehnten Aufführung ist mir endlich aufgegangen, warum mich Ayckbourn-Stücke immer langweilen: Sie scheitern an der Besetzung. An sich nämlich bieten sie viele Möglichkeiten, Komik zu entfalten. Darum kommen sie auch immer wieder auf die Spielpläne, wenn Leichtes gefragt ist. Aber sie verlangen Komiker. Und für die Hauptrollen sogar schwere Komiker. Gewöhnliche Schauspieler tun's nicht. Wiesbaden aber besetzt "Ab jetzt" mit gewöhnlichen Schauspielern. Ab jetzt funktioniert die Komödie nicht mehr.

 

Den Beweis für diese These liefert der einzige darstellerisch starke Moment in der Inszenierung von Ulrike Arnold. Es ist die Szene nach der Pause, wo die Frau ausrastet (Lisa Mies). Da wird es schnell, schräg, schrill ... und unversehens packend. Das bedeutet, dass Ayckbourn Schauspieler verlangt, die bereit sind, ins Extrem zu gehen und ihrer Darstellung einen Schuss Karikatur beizumischen. Wohltemperierter Naturalismus führt nirgends hin.

 

Man kann die Komödie auch in Gedanken umbesetzen. Als Jerome: Nicholas Ofczarek (Burg). Als Mervyn: Florian Teichtmeister (Josefstadt). Und als Zoe: die verstorbene Gusti Wolf (Burg). Kurz: Wien statt Wiesbaden.

 

Es ist nicht unfair, die beiden Orte miteinander in Beziehung zu setzen. Dadurch wird klar, in welche Richtung es am hessischen Staatstheater hätte gehen sollen: Ins Verlangsamen. Ins Schwerer- und Grösser-Machen. Es ist ein Missverständnis der Amateure zu glauben, Komödien müssten schnell gespielt werden. Das Gegenteil ist richtig. Die grossen Könner gestalten ihre Figuren aus der Ruhe heraus. Und aus der Sammlung. Aus ihr schnellen sie dann auf und verteilen ihre Prankenhiebe. Komödien verlangen mithin, was die Amateure meist vergessen, Tempowechsel. Und Schauspieler, die Farben haben und bereit sind, in die Kurven zu liegen. Wenn sie dazu noch einen Anhauch von Vulgarität mitbringen und stets die Grenze des Anstands schrammen, d.h. im Innersten eine ungebändigte Rampensau haben, wird die Komödie mit ihnen zum Erfolg. Sogar "Ab jetzt" von Alan Ayckbourn. Denn das Geheimnis liegt in der Besetzung.

Die Ayckbourn-Stücke scheitern an der Besetzung. 

 
 
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