"A propos: Apfel ..." © Felix Grünschloss.

 

 

 

Die Goldberg-Variationen. Stanley Walden.

Musical nach dem Stück von George Tabori.                  

Badisches Staatstheater Karlsruhe.

Die Stimme der Kritik für Bümpliz und die Welt, 23. Februar 2017.

 

 

Bis zur Pause sieht man, wie eine Provinztruppe die Proben zu einem Musical aufnimmt und die ersten Schöpfungstage durchspielt. Die Spieler sind zwar schon im Kostüm, aber nichts klappt noch. Der Gesang ist approximativ, das Timing daneben. Das Spiel bewegt sich zwischen amateurhaftem Herumstehen und uninspiriertem Schlenkern von Armen und Beinen. Dazwischen fallen, gesprochen und gesungen, die allerfadesten Witzchen auf Gott, den Allmächtigen, mit dessen Potenz es nicht weit her ist, und auf die Schlange, deren Schwanz nicht hart wird.

 

"Und 'Onan erkannte seine linke Hand'

(eine begabte Hand)

Es ging nur um das alte 'Rein-Raus-Spiel'

A propos: Apfel:

So erotisch wie ein Pickel am Hintern

Fühlt sich falsch an

Als Symbol für ganz simplen Sex

Hab ich hier 'ne Banane

Greif zu!"

 

Nach der Pause, erzählt das Programmheft, soll sich die Aufführung durch "ein Statistenheer" steigern, das "die Sau raus lässt" und das Volk Israel darstellt. "Goldberg hängt am Kreuz und spielt die Rolle seines Lebens." Damit soll das Musical zuende gehen, das Stanley Walden nach dem Stück von George Tabori geschrieben hat. Es bringt die Figuren des Alten und Neuen Testaments auf die Bühne und veräppelt sie. "Der gottgleiche Regisseur Mr. Jay – die Namensähnlichkeit zu Jahwe dürfte beabsichtigt sein – hat Schwierigkeiten, seine Kunstschöpfung in den Griff zu bekommen. Die Proben sind eine Aneinanderreihung von Pleiten, Pech und Pannen."

 

So seicht und bemüht tröpfelt das Musical dahin. Eine Seite Nestroy hat mehr Schwung, Witz und Biss als die ganze Aufführung (jedenfalls bis zur Pause). Da steht fest: "Die Goldberg-Variationen" sind eine Totgeburt.

 

Und doch muss man der Vorsehung für das Nichtereignis in Karlsruhe danken. Nicht auszudenken, in was für eine Lage das badische Staatstheater gekommen wäre, hätte das Stück nicht nur mit Gott und Jesus, dem Alten und Neuen Testament auf der Bühne Scherz getrieben, sondern auch mit Mohammed und dem Koran. Da wäre schon vor Probenbeginn das Licht ausgegangen. Tabori konnte es nicht wissen. Wir aber stellen unterm blasphemischen Geblödel auf einmal mit Schrecken fest: Tempora mutantur.

"... so erotisch wie ein Pickel am Hintern."

 
 
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