Die Masken sind leicht abstrahiert. © Anna-Maria Löffelberger.

 

 

 

Farm der Tiere. George Orwell/Katrin Aissen.

Schauspiel.                  

Oliver Wronka, Nina Wronka. Salzburger Landestheater.

Die Stimme der Kritik für Bümpliz und die Welt, 26. Januar 2017.

 

 

Dass die Farm der Tiere in Salzburg nicht funktioniert, liegt an der literarischen Vorlage, ihrer dramaturgischen Umsetzung und am Regiekonzept.

 

Mit einer Tierfabel beschreibt George Orwell die Mechanismen, die zum Scheitern des Kommunismus in der Sowjetunion führten. Das ist lange her, und die Frage ist heute nur noch von akademisch-historischem Interesse. Um ihr die verlorengegangene Brisanz zurückzugeben, deutet die Inszenierung (Oliver Wronka) die Geschichte als Aufstand der Tiere gegen die Massenhaltung und die Schlachtindustrie. Mit Video werden unter Abspielung von Techno grauenvolle Bilder aus Ställen und Schlachthöfen an die Wand geworfen. Dann wird vorn wieder Orwell weitergespielt.

 

Man sieht wohl, dass die Regie einen Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellen möchte und dass die alte Fabel durch die News einen neuen Sinn bekommen sollte. Doch die Geschichte, die Orwell erzählt, eignet sich nicht, um dem Tierschutzgedanken Auftrieb zu geben. Die Tiere, demonstriert nämlich der Autor (und er meint die Kommunisten), sind nicht besser als die Menschen (und er meint die Kapitalisten). Damit weist das Salzburger Landestheater ungewollt nach, dass sich die Verhältnisse am besten durch eine gute Gesetzgebung verbessern lassen. Aber dazu leistet die Aufführung keinen Beitrag. Und damit ist sie gleichzeitig verquer und unnütz.

 

Erschwerend kommt dazu, dass das sechsköpfige Ensemble (drei Männer, drei Frauen) unablässig von einer Rolle in die andere schlüpft und sich dazu wechselnde Tiermasken vors Gesicht bindet. Die Masken sind leicht abstrahiert (Nina Wronka). Das gibt ihnen zwar stilistische Einheitlichkeit, macht aber die Bestimmung der Tierart nicht immer auf Anhieb möglich. Damit erweist sich die optische Umsetzung der Fabel als Schnickschnack, der sich inhaltlich fatal auswirkt. Denn die Resonanz der Plastikmaske verzerrt die Diktion und zermüselt jeden sprachlichen Gestaltungsansatz.

 

Man fragt sich, warum sich die Schauspieler dazu hergegeben haben. Da erzählen sie die Geschichte von Tieren, die gegen ihre unwürdigen Bedingungen aufstehen, und sind selber nicht Manns bzw. Fraus genug, sich gegen die Zumutungen der Regie auf die Hinterbeine zu stellen. So wird das Publikum bei Stück und Aufführung am Salzburger Landestheater zum Zeugen einer traurigen Geschichte.

Die Plastikmaske zermüselt jeden sprachlichen Gestaltungsansatz.

 
 
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