Der Bauernspiegel. Jeremias Gotthelf.

Schauspiel.

Peter Schneider. Theater 1230, Bern.

Radio DRS-2, Reflexe, 17. Januar 1985.

 

 

Eigentlich sött ig us Befangeheit d Brichterstattig zrügg gä und öpper anders la verzelle. Dä würd de d Schwechine dütlicher gseh als ig, u fürechehre, dass d Uffüehrig – sie duret 2 ¾ Stund – e Pause nid nume mögt verlyde, sondern nötig hätt. U dä kritisch Kritiker würd de ou d Umsetzig vom Roman hinterfrage u d Fassig vom Theater 1230 mit em Stichwort "Reader's Digest" abtue. Är würd der Finger uf d Begabigsschwankige vo de einzelne Spieler lege; är würd, punkto Masken u Kostüm, vo fragwürdiger Albert-Anker-Romantik rede; für Belüchtig u Musik würd er der Usdruck "sentimentali Effekthascherei" finde; und är würd d Frag i Ruum stelle, ob's müglech, ja zuelässig syg, der "Burespiegel" für ds Theater z adaptiere. – Das alles chönne e kritische Kritiker vorbringe.

 

Für mi gönge dergattig Überlegige am Chärn vo der Uffüehrig verby. Numen äbe – i bi befange. Won ig i die dritti Klass bi gange – das isch 25 Jahr här – da han ig einisch ir Wuche lenger dörfen ufblybe. Es isch, glouben i, der Mittwuch gsy, wo Hörspieler vo Radio Bern der "Burespiegel" vortreit hei. Das Erlebnis het mi dennzmal gwaltig erhudlet, und es isch mer a dene Hörspielabete vorcho, wie wenn ig i ne tiefe Brunne abeluegti u dert unde schaffi u wäbi öppis, und es het mi tüecht, das syg ds Läbe, so füehri Gott d Mönsche dür d Wält, i d Gäget vor Liebi, wo isch wien e sunnige Garte, und i d Gäget vom Leid, wo mir isch vorcho wie ne nassi, ungheizti Wöschchuchi.

 

Die verschütteti Erinnerig an e grossi, urtümlichi Schicksalserfahrig het ds Theater 1230 i mir wieder füregholt. I bi ne wieder gsy, der Mias, wo der Vater verliert, uf d Bettlergmeind chunnt, verdinget wird u zu dene Lüt fingt, wo der Vater am Abe vor em Stallbänkli no mit de Chind schätzelet. U de han i gfragt: "Ätti, säg, hesch du mi o lieb?" U der Ma het afe lache, u d Ching hei gruefe: "Das isch nid di Ätti, du hesch kei Ätti, du bisch nume der Bueb!"

 

De het's mi tüecht, d Wält ghei zäme, und i ha wäggluegt, u da sy Schynwärfer gsy u Schminki u Perücke, u näb mir sy Manne u Fraue ghocket, ganz jungi u mittelalterlichi, und em graubärtige Ma näbe mir sy d Träne abetropfet, und e jungi Frau het sich hinter em Rügge vom Fründ versteckt, so het es se gschüttlet.

 

Also isch es am Änd doch nid nume my persönlichi Befangeheit, wo für dä Ydruck verantwortlich isch, sondern öppis Objektivs, wo ou anderi arüert? Aber was? Der Ärnst vor Gschicht, wo vo elementarem Mönschelos brichtet; u d Intensität vo de Schauspieler, wo a das gloube, wo sie spiele. Der Peter Schneider vorab, Regisseur u Darsteller vom Dichter Gotthelf; är isch sälber als Verdingbueb ufgwachse u het vo dert här villicht dä Trotz u die Chraft u die Ryfi zoge, dass mi sy Predig het packt, u derby isch er nume daghocket u het vorgläse u brichtet u gsinnet... u da isch d Jasmine Jaeggi, d Darstellere vom Miasli u vom Anneli, wo so tief i ihri Personen abetouchet, dass d Gstalte wie bin ere Geisterbeschwörig vo inne här uf ihrem Gsicht fürechöme. De der Marcus Signer, wo am Afang e chley gstabelig würkt und immer freier wird, bis er am Schluss d Töibi u ds Leid vom ene junge Läbe usebrüelet... I weiss nid, wie das uf anderi gwürkt het. Für mi isch der "Burespiegel" öppis vom Ydrücklichste, won ig i der letzte Zyt uf em Theater ha chönne gseh.

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