Im Herbst schreien die Krähen anders. Manfred Züfle.

Komödie.                  

Alex Freihart. Städtebundtheater Biel–Solothurn.

Radio DRS-2, Reflexe, 28. März 1985.

 

 

Zersch han i mit däm Stück überhoupt nüt chönne afa, und i ha mi gfragt, wärum ds Städtebundtheater so öppis wie die "fasch"-Komödie überhaupt het chönne anä. Syte um Syte han i umebletteret u druf blanget, dass öppis passiert, oder dass i zmindst öppis finde, wo mi fasiziniert: es Rätsel, e Frag, es Schicksal, von ere Gschicht nid z rede. U plötzlich isch der erst Akt fertig gsy, und es het mi dünkt, es syg alles vercheibet u verfahre.

 

Uf den erste 25 Syte isch folgendes passiert: Zwo Persone styge dür ds Fenster in es fremds Hus, wo im Wald liegt u mit Selbstschussalage gsicheret isch. We me aber über d Sperri cho isch, de isch me drin, u de isch me sicher. Sicher vor dene, wo ou wetten ynecho, ohni derzue z ghöre. Ds Hus isch also en Allegorie, en Allegorie vom Kapitalismus oder vo der ryche Schwyz, wo alles für sich wott bhalte. D Ydringlinge, wo sich im Hus schyne unszkenne, rede vo de Gest, wo sie erwarte, u bi dere Glägeheit lehre mer d Näme vo allne kenne. Die beide uf der Bühni heisse Theodor und Jolanda, sie gönge gäg die füfzge u verträte ideologisch d Frankfurter Schuel. Villicht het der Züfle, won er der Vorname Theodor gno het, sogar uf en Adorno wölle aspiele, müglich wär's. Erwartet wird es Pärli, wo bi de 35gen isch, u we me gschwind zrügg rächnet, cha me se zur 68ger Generation schla. Derzu no zwöi Jungi, ehemaligi Bewegti, wo jetz knapp zwänzgi sy. U die vier Gest chöme jetz äbe a. Sie verzelle vo der Fahrt, wo sie hei gha, u hälfe dermit de Zueschauer, ds Hus z situiere. Schluss vom ersten Akt. "Da wären wir jetzt", seit d Uschi.

 

Ja, da sy mer also. Aber um was geit's jetz im Stück? Was isch ds Problem? Oder mynetwäge: ds Thema, d Frag? I ha d Lektüre wieder ufgno u gläse; gläse bis zum Schluss. Aber e Lösig han i nid gfunde.

 

A der Uruffüehrig z Solothurn han i du gmerkt, dass genau das der Punkt isch. Es git für e Züfle ke Lösig, ke Füerig meh; es git nume no e Lag, e Situation, wo zum Handle zwingt. Aber das müesse die sächs Persone uf der Bühni zersch no merke, dass es ke Autor meh git, wo über ne wacht u luegt, dass kes Härli vone verlore geit. U solang sie nid merke, dass sie sälber öppis müesse mache, passiert äbe nüt. Oder zmindste nüt Geschyds. U so erläbt der Zuschauer qualvoll, wie die sächs Persone uf der Bühni d Zyt verplämperle. Mit Diskutiere u Räsonniere, Ässe u Trinke, Tanze u Blödele, mit Schätzele u... u mit Schlafe.

 

Ds nöie Stück vom Manfred Züfle, "Im Herbst schreien die Krähen anders" isch also e Mischig zwüschem "Kirschgarten" und "Warten auf Godot". U dermit han i ou grad gseit, wärum's nid längt: Es fählen ihm die scharfe Charakterzeichnige u ds Gspüri für ds langsame Verrünele vor Zyt, wo me im "Kirschgarten" fingt. Und es fählt ihm die unerbittlichi Chelti, wo der Beckett für "Warten auf Godot" ufbracht het. Wahrschynlich isch ds Problem vom Stück am Züfle sälber no z nach, nämlich d Frag, was engagierti Lüt chöi mache, we sie d Power verlore hei. U wäg dere Nechi vo de Figure zum Verfasser hei sie villicht no keis Eigeläbe, blybe sie Abziehbildli. We sie am Schluss usstyge us däm Hus, us em Kapitalismus, us em System, we sie am Schluss also usstyge, de säge sie: "Und wir gehen raus, Judihui". Usruefzeiche. Dä Erger het mer ou ds Theater nid chönne nä: Dass der Züfle es Plastikdütsch het, wie wenn er i de Bavaria-Studio z Lehr gange wär. Wo du der Vorhang aben isch, han i zwar einiges meh begriffe vo dere kurlige "fasch"-Komödie; dank der Arbeit vo de Schauspieler u vom Regisseur Alex Freihart. Aber öppis wo mi fasziniert, het mer ou ds Theater nid chönne gä: es Rätsel, e Frag, es Schicksal, von ere Gschicht nid z rede...

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