Ein Sommernachtstraum. Heinz Spoerli.

Ballett.

Basler Theater.

Radio DRS-2, Reflexe, 23. Dezember 1985.

 

 

(Musik)

 

Der Hochzytsmarsch us em "Sommernachtstraum"; wahrschynlich ds bekanntiste Stück us der Schauspielmusik vom Felix Mendelssohn. Fanfarestöss baue ne reine Dur-Akkord uf u säge dermit die fürstlichi Gsellschaft a: Herzog u Herzogin vo Athen und ihre Hofstaat. Im Stil vom höfische Tanz hei mer festlich lüchtigi Kläng.

 

(Musik)

 

Der Hochzytsmarsch steit am Schluss, wo sich alli gfunde hei und e drü-, ja mit Operon u Titania sogar e vierfachi Hochzyt gfyret wird. D Ouvertüre aber setzt am ene andere Ort y.

 

(Musik)

 

D Tön schyne hie nid fixiert. D Strycher umspiele mit schnällem, churzem Boge en Akkord. U mit däm merkwürdige Irisiere evoziere sie der Wald u syni Geister, wo körperlos dür Büsch u Zweige husche. – Es sy zwo Wälte, wo d Musik härestellt; zwo Wälte, wo sich i der Komödie wiederfinde: D Tagwält u d Nachtwält. D Wält vom Bewusste u d Wält vom Unbewusste. D Wält vo de Mönsche u d Wält vo de Geister. Bim Mendelssohn wird d Eigenart vo de beide Wälte als Klang spürbar. Das isch der Vorteil vo der Musik im Unterschied zur Sprach. Ihri Palette isch rycher; sie het ou für ds Irrationale, ds Geisterhafte no ne Usdruck. Ds Schauspiel dergäge muess d Geister i der Sprach vo de Mönsche la rede, mit Begriffe u mit ere Grammatik, wo vom Logos här prägt sy.

 

Mit der Musik vom Mendelssohn het jetz der Heinz Spoerli der "Sommernachtstraum" als Ballett usebracht. Der Tanz isch stumm. Är brucht keni gsprochnige Wort. Sondern rede tuet d Musik u der Körper vom Mönsch. Für e "Sommernachtstraum" bedütet das, das äntlich d Nachtwält glychwärtig wie d Tagwält cha zum Usdruck cho. U dermit gwinnt d Handlig e Dütlichkeit, wo sie im Schauspiel nie het. D Tiefestruktur vom Ganze chunnt füre, die Struktur, wo me im Schauspiel vor luter Wort albe fasch nid gseht: dass ds Thema vom Stück d Liebi isch u dass der Shakespeare die Liebi als dynamisches Wechselspiel het wölle darstelle. Hie im Ballett aber chunnt füre, wie d Kräft vo Aziehig und Abstossig d Handlig i Gang setze.

 

Im Ballett wird ou dütlich, was für ne Yfluss der Puck uf ds Ganze het. Är isch dä, wo am Afang befiehlt, dass der Vorhang ufgeit. Dä Geist, wo d Lüt dürenand u zuenenand bringt, isch der eigentlich Regisseur vom "Sommernachtstraum". Bevor d Figure ufträtte, tuet är der Ruum mit grosse, kraftvolle Sprüng erobere. Der Kreis, won er derby beschrybt, isch e Zauberkreis. Eine wo macht, dass d Lüt mit all ihrne Glieder u Fasere müesse verrate, was sie empfinden u dänke. Da isch ke Wörtersprach meh, wo ihri Gfüehl verschleieret. Sondern die Gfüehl mache sich Usdruck dür Bewegig, u die Bewegige sy eidütig. Sie füehre d Tänzer zäme oder useenand, je nachdem, wie's mit ne steit. Uf die Wys chunnt d Balletinszenierig vom Heinz Spoerli necher a Text häre als jedi Schauspieluffüehrig, won i bis jetz gseh ha. Sie zeigt ds Elementare, u das macht's, wärum d Uffüehrig eim packt u mitrysst.

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