Boccaccio. Franz von Suppé.

Operette.

Jost Meier, Günter Loscher. Freiluftaufführung im botanischen Garten Brügglingen BS.

Radio DRS-2, Reflexe, 12. August 1986.

 

 

Bsunders a dere Operette-Uffüehrig isch, dass sie dusse spielt, vor der Schüür im botanische Garte. Vater u Mueter bruche nid i d Stadt, für se z gseh, sondern sie chöi mit de Sandale und em ghägglete Schal übere i Park, wo sie am Namittag scho d Grosskind häregfüehrt hei zum Spiele, zwüsche de Agave, de Magnolie, de Dattelpalme u de Lindebäum. U jetz äbe "Boccacio", d'Operette vom Franz von Suppé.

 

(Musik)

 

Der Jost Meier het d Partitur mit der Basler Sinfonietta ygstudiert u dirigiert. E Partitur vo ächtem Charme, wo gar nid so liecht z spielen isch, wie me meint, und wo eme Jost Meier, wo immerhin zu de begabtere Schwyzer Komponiste zellt, nid z gring isch gsy.

 

"Boccaccio" het ja ou näbe syne solide Nummere u volksümliche Melodie e ganz bsundere Vorzug: die Operette wird nie sentimental u nie verloge.

 

Hätte der Jost Meier u d Basler Sinfonietta die Musik im ene Theater chönne spiele, oder zmindst im ene gschlossnige Ruum, de hätt me ghört, was sie alles für Nuance u Fynheite drin entdeckt u zum Usdruck hei wölle bringe.

 

Aber e Freiluftuffüehrig, wo nid emal e Konzärtmuschle, es Odeon het, wo der Schall bündlet, bringt der Musik nume Nachteile. Der Strycherklang verflatteret, u ds Bläch, wo a der Premiere no ziemlichi Intonationsproblem gha het, ds Bläch tönt stumpf. U grad das, wo bir Operette zellt, d Klangverschmelzig u die schwungvolli Brillanz vo de Strycherstimme, das muess eim d Freiluftuffüehrig schuldig blybe, vor allem, wenn Flugzüg- u Strasselärm d Pianostelle übertöne.

 

Versöhnt mit dene Inkonvenienze het mi derfür wieder der Ysatz vo de Sänger u Choriste.

 

(Musik)

 

Es isch mer ufgfalle, wie bsunders die junge Künstler die konventionell-routinierti Kurtheater-Regie vom Günter Loscher übertroffe hei mit ere Spielfreud, wo ihri Gsichter zum Strahle bracht het und ihrne Bewegige Liechitgkeit und Anmut het gä. Für sie isch's es Frässe gsy, dörfe z Fächte, z Schunkle, im Takt uf- und abzmarschiere. U Vater u Mueter im Park vom Brügglinger botanische Garte, sie mit em ghägglete Schal, är mit de Sandale, sie hei mit de Füess der Takt gklopfet und am Schluss mit eme Süfzger gseit: "Es isch glych schön gsy; mir sötte wieder meh i ds Theater."

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