Ueli der Chnächt. Elisabeth Baumgartner, frei nach Gotthelf.

Schauspiel.

Liebhaberbühne Biel.

Bieler Tagblatt, 29. November 1977.

 

 

Theater ohne Sorgen

 

Wer findet, er habe es privat schon schwer genug, um vom Theater verlangen zu können, dort nicht auch noch mit Problemen belästigt zu werden, dem kann die Aufführung der Liebhaberbühne Biel empfohlen werden. Bei "Ueli der Chnächt" (frei nach Gotthelf von Elisabeth Baumgartner) wird er Entspannung finden und die Welt für zwei unbeschwerte Stunden vergessen.

 

Sobald sich der Vorhang hebt und den Blick freigibt auf die behäbige Bauernstube der "Glungge", ist es verboten, an Sorgen zu denken. Vielmehr sollen wir Freude haben an der geschnitzten Truhe, am hellblauen Kachelofen, an den grünen Butzenscheibchen, an den währschaften Eichenmöbeln und an den schönen, stattlichen Trachten. Das urchige, breit abtrappende sogenannte Gotthelf-Berndeutsch mit Ausdrücken wie "Elisi, dä abgnaget Chabisstängel" ergibt einen weiteren Grund zur Freude.

 

Aber nicht nur im Zuschauerraum, auch in der "Glungge" selbst flieht der Kummer, sobald das Stück anfängt. Denn Ueli (Fritz Marthaler jun.) kommt just angefahren, um die neue Stelle des Meisterknechts zu übernehmen. Und von nun an geht es mit dem heruntergekommenen Hof nur noch aufwärts.

 

Die grundgütige "Glungge"-Bäuerin (sehr nobel und überzeugend gespielt von Hanni Loosli) unterstützt den werkbaren, gottesfürchtigen Burschen nach Kräften und nimmt ihn gegen den zänkischen, immer unzufriedenen Joggeli in Schutz. (Schade, dass Hans Maibach so undeutlich spricht; schade auch, dass er nur mit dem Stock auf den Boden schlagen kann, um seine Gefühle auszudrücken.)

 

Auf die Dauer könnte das Stück natürlich eintönig werden; aber da gibt es noch die Weiber: das putzsüchtige, verzärtelte Elisi (mit echt komödiantischem Talent dargestellt von Anita Zimmerli) und Trinette (Marianne Hübscher), die Frau des Johannes (Walter Hübscher jun.). Sie bringen Leben, d.h. Gezänk und Gezeter in die Bude und sorgen dafür, dass Ueli nicht zu früh Vreneli (Esther Schenkel) kriegt, denn damit wäre das Stück aus.

 

Im dritten Akt aber kommt Elisi beim einem reichen Baumwollhändler (im Stil des Junggesellen-Schwanks gespielt von Hans Aeberhardt) unter die Haube, und damit steht Uelis Heirat mit Vreneli nichts mehr im Wege. Die liebe "Glungge"-Bäuerin hat mit Uelis früherem Meister, einem senkrechten Mann (mit gütigem Lachen dargestellt von Hermann Oppliger) schon die Fäden gesponnen, so dass die beiden Jungen im Moment, wo sie sich das Jawort geben, auch den Hof übernehmen können. So sorgt Gott für die, die ihn fürchten.

 

Das Publikum ging an der Premiere lebhaft mit und dankte für Hans Grubers Inszenierung mit freundlichem Beifall.

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