"Die schwarze Spinne" nach Jeremias Gotthelf.

Puppentheater.

Rolf Meyer und Martin Friedli, Hans Eggenberg. Gastspiel in Biel.

Bieler Tagblatt, 10. Dezember 1979.

 

 

Es ist lange her, dass solch ein eindrückliches Theater in Biel zu sehen war. Ein Theater, das rührt und aufwühlt und still macht. Ein Theater, bei dem sich jede einzelne Gestalt unvergesslich einprägt, weil nichts zufällig ist, nichts unkontrolliert, nichts verschwommen. So geht in dieser Aufführung auch kein Wort verloren, sondern alles Gesprochene behält sein eigentümliches, poetisches Gewicht und sinkt dadurch nieder bis ins Innerste des Zuschauers.

 

Es ist kein Zufall, dass die unvergleichlichen Wirkungen dieses Theaters ausgerechnet mit den künstlichsten Mitteln zustandekommen, die sich denken lassen: Mit Tonbandstimmen aus einem Lautsprecher und mit Stabpuppten aus Karton und Holz. Denn das Künstliche des Materials hat Rolf Meyer und Martin Friedli gezwungen, das zu suchen, was in den Bewegungen eigentlich das Lebendige und Echte ausmacht. Und indem sie nun mit ihren Puppen dieses Eigentliche treffen, findet ihr Marionettentheater eine Reinheit, die sich auf der Menschenbühne nur in ganz raren Momenten einstellt.

 

So erweist sich die Wiedergabe, die sich eng an die Sprache der Erzählung hält, an Stärke und künstlerischer Aufrichtigkeit als der Vorlage würdig. Mit den schönen ausdrucksvollen Puppen, dem grobkörnigen, ungezierten Deutsch der Sprecher und den stilvollen, starken Dekorationen von Hans Eggenberg kommt der Gehalt der "schwarzen Spinne" zu unmittelbarem, packendem Ausdruck.

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