Lady Macbeth von Mzensk. Dimitri Schostakowitsch.

Oper.

Armin Jordan, Martin Markun. Theater Basel.

Radio DRS-2, Reflexe, 2. Februar 1987.

 

 

E grauenhafti Sach, die Opere. So grauenhaft, dass der Stalin, wo ja schüsch nid zimperlich isch gsy, voll Töibi drusgloffen isch. Die strubi "Lady Macbeth" het ds sowjetische Regime uf dä Éclat abe offiziell abgsetzt. D Musik syg "bourgeois", ja sogar "petit bourgeois". U der Stalin heig "Chaos anstatt Musik" atroffe, het d "Prawda" giftet. U derbi isch ja d Musik nid emal ds Schlimmste. Im Gägeteil, a die Tön hei sich üsi Ohre scho lang gwahnet. Aber schlimm isch, was zur Musik passiert. Die Massevergewaltigung zum Byspiel, wo alli zueluege, wie eine der Magd d Kleider aberysst und a ihrne Brüst umedrückt.

 

(Musik)

 

Oder da wird e Knecht uspeitscht, bis ds Bluet sprützt, will er bi der Meistersfrau glägen isch.

 

(Musik)

 

En alte Ma verreckt am Bode, wie ne Ratte, will ne d Schwiegertochter vergiftet het.

 

(Musik)

 

En Ehefrau schlaht ihre Ma mit eme schwäre Kandelaber z tod.

 

(Musik)

 

U zu all dene Verbräche spielt d Musik, es grosses Orchester, mit virtuose Klangfarbe, raffinierte Ensemble, rassige Rhythme. Me cha sich frage: Was isch das für ne Opere? U da merkt me, dass die "Lady Macbeth von Mzensk" eigentlich en Opere isch wie alli andere. Es geit um ussereheliche Gschlächtsverkehr und um Macht – glych wie bi "Figaro", "Così fan tutte", "Carmen", "Tristan und Isolde" etc., etc. Der Unterschied isch nume, dass ds Thema, äbe "ussereheliche Gschlächtsverkehr" und "Macht", nümm im ene Kostüm derhärchunnt, nümm als "Liebi" verkleidet isch.

 

(Musik)

 

D Meistersfrau cha nid schlafe, will's ere längwyilig isch. Sie het nüt z tüe. Ds Läbe louft dervo, und es isch läär. U da chunnt plötzlich eine derhär, wo alles het: Är isch gross, är isch schön, är isch guet boue. U die Schönheit vom fremde Ma weckt bi der Frau d Erkenntnis, was ere alles fählt. U drum wett sie ne ha. Für sich a syre Schönheit z entschädige für ds wüeste Läbe, wo sie het müesse füehre. U je lenger dass sie ne het, dest gruusiger chunnt ere der ganz Räste vor, der Schwiegervater, dä alt söiferig Glüsteler, der Ehema, dä schmalbrüstig Schlappschwanz, ds Gschäft u der Alltag.

 

U so verteidiget sie ihre Bitz Schönheit, ihre Bitz Glück gäge Räste vor Wält, und will's um ene Chrieg geit, um e Chrieg um ds Glück, sy alli Mittel erlaubt, ou ds Rattegift, ou der Totschlag. E grauehafti Sach also, die Opere. Aber me sött sich nid la tüsche: Grad dür ds Gruuse wott üs der Schostakowitsch ds andere bybringe; är wott der Wille wecke, an ere Wält z schaffe, wo ds Gägeteil isch vo dere, wo d Lady Macbeth von Mzensk dinne läbt.

 

D Basler Inszenierig vom Martin Markun jetz het bi allne richtige, fyne u gschyde Detail, wo sie bringt, zwe grundsätzlichi Fähler. Der neu Chnächt, wo mit syre fremde Schönheit ds Drama uslöst, het i Gottsname e Buchasatz und e Stirnglatze u zäh Jahr z viel uf em Buckel. Es isch offesichtlich, dass me der Sänger nume nach syne stimmliche Qualitäte usegläse het, u nid nach de darstellerische. U der zwöit Fähler vom Regisseur isch, dass er d Handlig 1934 laht la spiele, also denn, wo d Opere entstanden isch. U da geit de nüt meh uf, will's denn z Russland gar keini Grosshändler meh het gä, wo ihri Dienstlüt hei chönne uspeitsche. Aber näb dere inhaltliche Inkongruenz verstosst d Inszenierig ou gäge Geist vor Handlig, ere Handlig, wo nach Wunsch vom Komponist eidütig im vorrevolutionäre Russland agsiedlet isch. – Abgseh vo dene grundsätzliche Ywänd bietet Basel en Uffüehrig, wo voll befriediget, schliesslich dirigiert ja ou der Armin Jordan, wo jetz uf em Höhepunkt vo syre Karriere steit und alli Partiture mit ere unerhörte Klarheit, mit Sinn für e gross Boge und ds Zämespiel vo Orchester- u Gsangsstimme dirigiert. Näb der Leitig vom Armin Jordan wird d Uffüehrig ou treit vom ene guete, homogene Sängerensemble.

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