La Guerre de Troie n'aura pas lieu. Jean Giroudoux.

Schauspiel.

Radio DRS-2, Reflexe, 11. Januar 1991.

 

 

Vorgestern, am Mittwoch also, ging in Genf das Aussenministertreffen zwischen Baker und Aziz aus, ohne den Frieden zu bringen. Die europäischen Staaten suchen in letzter Minute zu vermitteln. Aber lässt sich der Golfkrieg verhindern. Das ist die Frage. Und angesichts dieser Frage möchte ich Sie an einen Klassiker erinnern, in dem man nachlesen kann, wie Kriege zustande kommen. Es ist das Bühnenstück, das ein hellsichtiger französischer Diplomat vor 55 Jahren geschrieben hat; das war 1935. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Das Stück ist nicht veraltet. Sein Titel: "Der trojanische Krieg findet nicht statt" – "La Guerre de Troie n'aura pas lieu". Der Verfasser ist Jean Giraudoux. Am Beispiel von Troja demonstriert er die Mechanik der Gefühle, die zum Krieg führt. Am Anfang steht das Unrecht. Paris raubt Helena. Auf diese Aggression reagieren die Griechen, die Angegriffenen, mit Revanche. Sie bieten das Heer auf und schicken die Flotte an die Küste von Troja. Der Konflikt eskaliert. Keine Seite kann nachgeben, ohne das Gesicht zu verlieren. Intellektuelle und Schwätzer blasen ins Feuer. Es wird eine Sache der Ehre, nicht nachzugeben. In dieser Kriegshysterie zwei, drei ruhige Stimmen. Doch die Besonnenen setzen sich nicht durch. Der trojanische Krieg geht los. Warum? Warum dieser Unsinn? Lesen Sie das Stück von Jean Giraudoux: "La Guerre de Troie n'aura pas lieu" oder in der deutschen Übersetzung: "Kein Krieg in Troja". Die französische Ausgabe gibt's bei den Livres de Poche, die deutsche Übersetzung als Fischer Taschenbuch.