Otello. Giuseppe Verdi.

Oper.

Armin Jordan, Hans Hollmann. Theater Basel.

Radio DRS-2, Reflexe, 26. September 1988.

 

 

We dihr e neui Direktionszyt mit "Otello" uftüet, de wecket dihr Erwartige, aber ou Frage. Dihr wecket Erwartige, will am Verdi sy zwöitletzti Opere musikalisch die höchste Asprüch stellt. Der Maestro isch denn 74gi gsy, und är het im "Otello" alli Verdi-Klischee hinter sich gla. De Sänger bietet der "Otello" enormi Partie, bravourös, farbig, nuanciert. Es isch nümm verlangt, dass me syner Arie useschmätteret, sondern jetz tuet der Gsang komplexi psychologischi u dramatischi Vorgäng schildere. "Otello" also – das weckt Erwartige uf musikalischi Höchstleistige.

 

"Otello" weckt aber ou Frage. Wärum tuet der neu Direktor sy ersti Spielzyt usgrächnet mit dere Opere uf? Was isch d Idee, dass är am Afang vom ene neue Abschnitt mit em "Mohr von Venedig" afaht u zeigt, wie dä schwarz Feldherr syni wyssi Frau umbringt, und zwar, will e Bösewicht, der Iago, d Yfersucht bi ihm gweckt het? Stecke da Aspielige a Rassismus derhinter? Isch d Dritt-Wält-Problematik agsproche? Der sog. Minderwertigkeitskomplex vo de Farbige? E problematische Asatz. Oder wott me mit em "Otello" en anarchistischi Dimension i Operespielplan bringe und d Macht denunziere? Der Iago isch ja dä, wo d Fäde zieht, u die, wo d Fäde zieh, wei alls für sich, ou wenn die andere derby umchöme.

 

Kurz, das sy so Frage gsy, wo me weckt, wenn me der "Otello" a Afang von ere neue Direktionszyt setzt. U jetz isch sit em Sunntig ds Rätsel glöst, mir wüsse, wie me z Basel der "Otello" het agleit, nämlich als Opere. Als Opere mit eme hochdifferenzierte Belüchtigszauber, mit gschläcket schöne Bühnebilder, mit pompös-ydrückliche Kostüm, ds Ganze nach alter Väter Sitte mit Sänger, wo ihri vertraute gstabelige Gebärde hei und ihri gwahnete Verränkige vom Brustkaste, mit eim Wort: Opernbetrieb wie gehabt.

 

U das het de ds Publikum mit allne Kräft belohnt. Wo am Schluss vom erste Akt der Applaus isch losdonneret, het dä Applaus der Charakter von ere Demonstration gha: "Ja, Herr Hollmann, wenn Sie so brav blybe, hämmer sie gärn!" – Altgwohnets bi dere Premiere ou im Musikalische, aber da zum Nutze vor Uffüehrig. Der Basler Theaterchor isch immer no der best Theaterchor wyt u breit, u der Afang vo der Opere, wo me ne im Sturm ghört singe, isch für mi öppis vom Ydrücklichste gsy überhaupt.

 

Hervorragend ou ds Basler Sinfonie-Orchester, mit präziser Intonation u mässerscharfe Bläserakzente, u der Armin Jordan als Dirigent wie gäng solid und differenziert, ja sogar e Spur vitaler u dramatischer als schüsch.

 

Grossi Enttüschig de aber bi de Hautprolle. Der Hollmann het syner Sänger überhaupt nid gfüehrt, sie sy darstellerisch nid nume blass gsy, sondern vollkomme ungnüegend. Wenn es Konzept derhinter gstanden isch, de isch es für mi es Konzept vor Yschüchterig gsy. Es isch mir vorcho, wie wenn me am Hollmann hätti droht: "Chumm üs de ja nid mit dyne Mätzli! Lah de d Sänger gfälligst in Rueh! Sie hei schwäri Partie, u du darfsch sie nid störe mit ungwahnete Bewegige." U der Hollmann, "alt und weise", het d Finger glah u ke Detailarbeit mit de Hauptpersone gmacht. Wenn sich dä Verzicht wenigstens musikalisch hätti uszahlt, chönnt me drüber diskutiere. Aber vo de Sänger här isch d Uffüehrig wyt hinter ds Basler Niveau zrügg gheit.

 

D Desdemona het i de beide erste Akte z tief gsunge u rhythmisch falsch. Nach der Pause isch en anderi Sängere für sie ygsprunge, d Clarry Bartha, u sie isch mit ihrer sichere u differenzierte Stimmfüehrig der einzig Lichtblick gsy. Der Otello aber, ir erste Bsetzig mit em Bruno Sebastian u der Iago mit dem Mario di Marco hei die schlimmste Vorurteil bestätiget, der "Otello" syg e Brüllopere. Die beide Darsteller hei gsunge wie am Spiess, u sie hei konsequent uf Nuance verzichtet, bim Spiele u bim Singe.

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