Die Komödianten. Giovanni Simone Mayr.

Oper.

Ewald Körner, Edgar Kelling. Stadttheater Bern.

Radio DRS-2, Reflexe, 12. April 1984.

 

 

Die ganzi Sach isch vo Grund uf fuul. Afangs vo de sächzger Jahr het sich der Intendant vom Münchner Gärtnerplatz-Theater überleit, "ob es eine Möglichkeit gäbe, eine Buffa Simon Mayrs für die Schwetzinger Festspiele herauszuputzen". Offebar het sich die Möglichkeit aber nid la finde. Will "useputzt", scho das es verdächtigs Wort, "useputzt" het me nid ei Buffo-Opere, sondern der Librettist Walter Panowsky u der Arrangeur Heinz Moehn hei Organteile us verschiednige Wärk vom Mayr gschnitte u zum ene Homunculus – äbe üsne "Komödiante" zämeblätzet. Us der Face "I Virtuosi" chunnt d Musik für d Exposition u ds Finale vom ersten Akt, us der Opere "Ginevra in Scozia" stamme verschiednigi Uftrittsarie. De hei mer Orchesterrezitativ und Ariette us "Adelasia e Alerâmo", Ouvertüre u Zwüschespiel us "Che Originali" und us "La rosa bianca e la rosa rossa". Ds Textbuech inspiriert sich am Afang a de "Virtuosi", macht sich aber de gly mal selbständig u mündet in es neugschriebnigs Gartebild im dritten Akt, will der Intendant vom Gärtnerplatz-Theater synerzyt druff bestande het, "das Ganze in einer Gartenszene enden zu lassen". Sowyt d Entstehig vo de "Komödiante".

 

Verdächtig a der ganze Gschicht isch nid ds Verfahre vom Zämeblätze, sondern verdächtig isch, dass me 1963, zum 200. Geburtstag vom Giovanni Simone Mayr, statt die "Komödiante" kes einzigs Wärk gfunde het, won e Wiederuffüehrig glohnt hätti. Derby het dä Komponist zwüsche 1794 u 1823 61 Opere gschriebe. Das macht im Schnitt zwo pro Jahr. Derzue chöme 500 Kirchenmusikkompositionen. U das alles het der Maestro verfasst näbe syne Verpflichtige als Kapellmeister vo Santa Maria Maggiore, näb der Musikschuel, won er 1805 gründet het, näb der Künstler-Fürsorgestiftig "Pio Instituto musicale" u näbe der "Unione filarmonica", won är äbefalls i ds Läbe gruefe het.

 

We me sich all das vor Ouge het, de cha me sich öppe vorstelle, mit weler Sorgfalt der Mayr no a synen Opere het chönne schaffe. So viel cha eine nume produziere, wenn er sich a d Schablone haltet u kei Angst het, sich z wiederhole.

 

Was der Mayr a Eigetem bracht het, sy Üsserlichkeite. Är het d Instrumentierig vor Opera buffa modifiziert u der Gebruch vor Harfen ygfüehrt. I Orchesternummere het er Stürm, überraschendi Gwitter u Ärdbeben abgmale. Künstlerisch gseh, sy das Detail. U so cha's nid erstune, dass sich keini vo syne 61 Opere het chönne halte, mit Usnahm vor "Medea in Corinto", wo de Musikwüsseschaftler villicht no glöifig isch. – Aber cha me vom ene Komponist anders erwarte, wenn er selber d Funktion vor Opere so definiert: "Man will amüsiert sein, ohne dass man sich anstrengt. Das Auge muss angenehm beschaftigt, das Ohr bald lieblich und wohltuend gekitzelt und dazwischen angepaukt und geblasen werden, damit man nicht Gefahr läuft, in Schlummer zu verfallen."

 

Uf die Art cha me sich's erkläre, wärum die ganzi Berner Produktion der Ydruck vom Déjà-vu erweckt. D Musik chunnt äbe us ere vorindustrielle Kompositions-Manufaktur; sie isch dür ds Band wäg unbedütend u fliesst a eim verby, ohni dür Charakter, Originalität, Schönheit oder gar Tiefi ufzfalle. – Déja-vu ou im Libretto. Der Ufmarsch vo de Komödiante im ersten Akt kennt me us em Vorspiel zur "Ariadne auf Naxos". D Idee vom Theater im Theater het me i robuster Komik chönne im "Sommernachtstraum" bewundere, u d Garteszene im dritten Akt fingt me, dasmal aber i volländeter Grazie, im vierte Akt vo "Figaros Hochzeit".

 

Mittelmässigkeit also uf der ganze Linie. Es isch drum nid z verwundere, dass sich der Ewald Körner als Dirigent u der Edgar Kelling als Regisseur nid über die üblichi Routine use hei la inspiriere. Schüsch wäre ja d "Komödiante" direkt zum enen Ereignis worde; u das isch z Bern scho fasch wieder verdächtig.

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