Schöne Zeiten. René Regenass.

Autorengespräch.

Stadttheater Biel.

Bieler Tagblatt, 5. Oktober 1983.

 

 

Es war nicht eben zahlreich, das Publikum, das sich zum "Autorengespräch mit René Regenass" eingefunden hatte. Um den Tisch der Theaterleute gruppierten sich vier junge Damen – vermutlich Seminaristinnen – und ein Herr. Zur Debatte standen die "Schönen Zeiten", die vor zwei Wochen in Biel uraufgeführt worden sind. Aber im Verlauf des Gesprächs stellte sich heraus, dass nur eine Person mit Stück und Aufführung vertraut war.

 

"Vielleicht liegt es an den Ferien", mutmasste Theaterdirektor Bojack angesichts des leeren Raums. Und er fügte entschuldigend bei: "Wir probieren eben verschiedene Zeiten aus."

 

Die Praxis hat nun gezeigt, dass der Montagabend nicht günstig liegt. Und mit dem Zeitpunkt – 19 Uhr – sind weitere Versuche ebenfalls nicht ratsam. Dann nämlich sitzen die Leute am Tisch. Sie sind von der Arbeit heimgekommen und haben Hunger. Abgesehen davon, können sich Ehepaare mit Kindern um diese Zeit unmöglich freimachen. Montagabend 19 Uhr – diesen Termin kann das Theater vergessen.

 

Ob es überhaupt klug war, ihn in Erwägung zu ziehen? "Theater ist etwas Lebendiges", stellte Peter-Andreas Bojack tröstend fest, als wollte er sagen: Das Lebendige kann man nicht planen – der Geist weht, wo er will.

 

Um Geistiges drehte sich auch das "Podiumsgespräch", das sich zwischen dem Schriftsteller, dem Theaterdirektor, dem Dramaturgen und dem Berichterstatter entspann. Die Frage war: Wie kann, nein: Wie soll das Theater mit einem dramatischen Werk umgehen?

 

Aus eigener Erfahrung wusste René Regenass, dass sich ein Stück verwandelt, wenn es auf der Bühne Gestalt annimmt. Die "Schönen Zeiten", berichtete er, seien auf Veranlassung des Theaters zweimal umgeschrieben worden. Und während der Proben nahmen der Regisseur und die Schauspieler weitere Veränderungen vor, so dass eigentlich eine vierte Fassung aufgeführt wird.

 

Mit allen Änderungen habe er sich nicht befreunden können, gestand Regenass freimütig. "Aber", schränkte er ein, "vielleicht hängt man als Autor ohnehin zu stark an seinem Text."

 

Ein Beispiel: "Herr Regenass hätte gewünscht, dass der Oberst eine schweizerische Armeeuniform trägt", erzählte der Theaterdirektor. "Wir aber fanden, die Bedeutung des Stücks werde damit zu stark auf eine bestimmte Gegend eingeschränkt."

 

Das sei vielleicht eine Äusserlichkeit, gab Regenass zu. Stärker habe ihm der Umgang der Theaterleute mit dem Wort zu schaffen gemacht. "Es ist eben so", argumentierte Dramaturg Manfred Schwarz, "dass dem Schauspieler gewisse Sätze nicht in die Schnauze passen. Dann formuliert er sie anders oder er lässt sie weg." Jaja, nickte Regenass, er verstehe das. Aber er bedaure trotzdem, dass jene Stellen, die auf weibliche Erotik anspielten, weggefallen seien.

 

"Jetzt möchte ich wissen", fragte eine der vier jungen Damen, "ob die Aufführung noch Ihren Vorstellungen entsprach." Regenass bejahte: "Das Städtebundtheater zeigt eine Version, mit der ich mich identifizieren kann – bis auf meine Vorbehalte gegenüber der Sprache. Von den Schauspielern und der Regie her finde ich aber die Aufführung gut."

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