Trennt euch! Christian Henking.
Oper.
Josephine Korde, Deborah Epstein, Florian Barth. Theater Orchester Biel Solothurn.
Die Stimme der Kritik für Bümpliz und die Welt, 23. Oktober 2026.
> Ein Ehepaar mit Kind. Die Mutter arbeitet in einem Büro. Es gefalle ihr gut, sagt sie, und spricht von einem neuen Projekt. Der Vater muss eine ähnliche Stellung haben, doch wo und was, verschweigt die Oper. Die Tochter ist noch nicht 16. Ob sie schon in eine Mittelschule geht oder in eine Lehre, bleibt im Ungewissen. So schweben die drei Familienmitglieder in der Luft und haben weder Profil noch Charakter. <
Zur allgemeinen Misere gehört, dass die Mutter heimlich fremdgeht. Genaueres über ihren Geliebten vernimmt man nicht. Nur, dass er in die Bettgenossin verknallt ist. Demnach singen die beiden wie in jeder Oper unablässig: "Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich." Nach 1 Stunde 10 Minuten setzt die Tochter dem Spiel ein Ende und sagt zu den Eltern: "Trennt euch!" Mit diesem Rat spricht sie auch den Titel von Christian Henkings Oper aus, und die Belastung, die aus der ungeklärten Situation erwuchs, findet ein glückliches Ende.
Bis es aber soweit kommt, rufen Regisseurin Deborah Epstein und Bühnenbildner Florian Barth durch Verschiebung von Möbeln und Einsatz von Video den Eindruck von Bewegung hervor bis zum Masturbationsakt des notgeilen Liebhabers, wobei das Rauf-Runter diskreterweise unter der Bettdecke erfolgt. Dergestalt verwirklichen alle ihren Part mit recht glaubwürdigem Realismus.
Christian Henkings Partitur ist fein instrumentiert und überfordert die Stimmen nicht. Unter Leitung von Josephine Korde wird sie vom Sinfonieorchester Biel Solothurn mit Sorgfalt umgesetzt. Die Grenze zu Sound Design ist zwar fluid, doch entspricht die Tonspur dem Stil der Handlung, die ohne falsche Ziererei die Grenze zur Banalität überschreitet. Was aber das schwache Libretto von Thomas Meyer angeht, so ist das Urteil gnadenlos: KI kann's heute besser.
Das öde Familienleben.
Die kritische Tochter.
Der aktive Liebhaber.
