Rachmaninow: 2. Klavierkonzert, 2. Symphonie.

Konzertabend.

Klaus Mäkelä, Orchestre de Paris in der Philharmonie de Paris.

Die Stimme der Kritik für Bümpliz und die Welt, 19. März 2026.

 

> Im kommenden Jahr verlässt Klaus Mäkelä nach sieben Spielzeiten als Chefdirigent das Orchestre de Paris und nach acht Spielzeiten die Osloer Philharmoniker, um den Berufungen zu folgen, in Chicago das Symphony Orchestra und in Amsterdam das Koninklijk Concertgebouworkest zu übernehmen. Bei diesem Karriereschritt wird der finnische Dirigent und Cellist auf 31 Lebensjahre, mehrere Aufnahmen bei Decca und die Auszeichnung "Dirigent des Jahres 2024" zurückblicken können. Niemand wird sagen, das sei ein durchschnittlicher Weg. <

 

Der Rachmaninow-Abend des Orchestre de Paris beginnt mit zwei wuchtigen Bläserstössen. Sie leiten Henry Woods Orchesterfassung des Präludiums op. 3 Nr. 2 ein. Und schon zeigt sich die Handschrift von Orchester und Dirigent: Kraft, gehalten durch Form. Die Figuren werden nicht einfach gespielt, sondern durchlebt und durchlitten. Mit diesem Ansatz, der durchlässig ist für den Schmerz hinter den Noten, wird die Schönheit aufgerauht, und die Orchesterstimmen nehmen den Ausdruck bedeutender Klangrede an.

 

Das Klavierkonzert Nr. 2 gestaltet sich als Fluss. Unter den Händen des 21-jährigen koreanischen Pianisten Yunchan Lim wird der Solopart mitgetragen vom dynamischen Auf- und Abschwellen der Bläser und Streicher, und das Spiel der Tasten setzt den Wechsel der orchestralen Farben fort. Mit gleicher Trefflichkeit formt Yunchan Lim die donnernden Akkordfolgen der Linken wie die verhauchenden Triller der Rechten.

 

Die zweite Symphonie dauert eine Stunde. In vier Sätzen entfaltet Sergej Rachmaninow das Panorama der russischen Tonkunst, wie es Tschaikowsky und Rimski-Korsakow hinterlassen haben. Also ein Spätwerk. Vier Jahre nach dessen Uraufführung in Moskau leitet in Paris der Urknall des "Sacre du printemps" eine neue Epoche ein.

 

Aus dem Abstand von 115 Jahren entwickeln Klaus Mäkelä und das Orchestre de Paris die starken Seiten der spätromantischen Symphonie. Erschütterung lösen sie nicht aus, wohl aber Respekt. Tadellose Instrumentalsoli und engagiertes Gruppenspiel befolgen Mahlers Warnung "Tradition ist Schlamperei" und verführen die Hörer dazu, sich ins Zeug zu legen und engagiert nach vorn zu blicken wie der dreissigjährige Dirigent.