Zeitgeistige Gelenkigkeit. © Yoshiko Kusano.

 

 

Mogli oder This Way Is not the Way to the Waterfall (Wirklich nicht). Ralph Tharayil.

Schauspiel.

Miriam Ibrahim. Bühnen Bern.

Die Stimme der Kritik für Bümpliz und die Welt, 21. Januar 2026.

 

> Die Aufführung dauert zwei Stunden. Sie verwendet drei Mitwirkende und viele, viele Wörter, niedergeschrieben von Ralph Tharayil. Der Hausautor der Bühnen Bern hat Prosa produziert, nicht aber einen Theatertext. Aus Mangel an Erfindungskraft zitiert er mythologische und halbmythologische Topoi wie Mowgli, Mata Hari und Tantalos. Er lässt sie, nun ja, durch den Fleischwolf und serviert sie mit feingeschnittenem Kabis. <

 

Durch ihre assoziative Inkonsistenz gleicht die Vorstellung eher einer Trump-Rede mit einer Wolke von Gebrabbel als einem Stück. Und wie der amerikanische Präsident, der am Tag der Uraufführung in Davos auftritt, bringt auch sie Werte und Haltungen. Nur eben die, welche heute noch in Köniz verlangt sind: Antikolonialismus, Antikapitalismus, Antimachismus. Damit können Schauspieler und Regie machen, was sie wollen und können, und das tun Lou Haltinner, Claudius Körber und Ali Kandas jetzt auch unter der Leitung von Miriam Ibrahim mit zeitgeistiger Gelenkigkeit.

 

Im übrigen aber riecht die Uraufführung stark nach jener Sorte von Angeberei, die schon Georg Christoph Lichtenberg in die Nase stach:

 

Es gibt wenig Menschen, die nicht im gemeinen Leben unvermerkt über das hinausgehen, was sie verstehen, der vernünftige Mann freilich tut es entweder nie oder doch nicht da, wo man Ernst von ihm verlangt; das gemeine Volk aber jeden Augenblick, und selbst so wie schlechte Schriftsteller sich oft am klügsten dünken, wenn sie in Worten reden, die sie nicht verstehen, eben so redet das gemeine Volk, oft allen Vernünftigen unverständlich, grade wenn es gut reden will, und dies bloss, um das Vergnügen zu geniessen, einen Augenblick sich selbst weise und vornehm vorzukommen.

Werte. 

Haltungen.

In der Wolke.