Ariane et Barbe-Bleue. Paul Dukas.

Richard Armstrong, Yannis Kokkos. Grand Théâtre de Genève.

Radio DRS-2, Reflexe, 8. Februar 1990.

 

 

Villicht hanget’s mit der Bsetzig zäme, dass me die Opere so sälte git. Siebe Sängere brucht’s, und jedi vo dene siebe muess ganz spezielli Fähigkeite mitbringe. D Darstellere vor Ariane z.B. steit für die ganzi Duur vor Uffüehrig uf der Bühni – will d Opere eigentlich ei grosse Monolg vor Ariane zur Darstellig bringt. Zwo, drei anderi Stimme unterbräche dä Monolog, d Stimm vo der Amme u d Stimm vo de gfangnige Fraue. D Stimm vor Amme mit ihrem schwäre Alt muess brämse, zur Vernunft rüefe, Bedänke vortrage. De git’s no füf Stimme vo gfangnige Fraue, wo töne wie ei Stimm. Will die Gfangnige als resignierts Hüüfeli inenand verschmolze sy, müesse sie en absolut homogene Klang astrebe, wo jedi Sängere uf die anderi lost und wo keini die anderi übertönt.

 

Zu de Schwierigkeite vor Bsetzig ghört ou, dass d Rolle vom Blaubart en erstklassige Bariton verlangt; aber dä erstklassig Bariton darf nume 70 Takte lang singe, das entspricht 4 ½ Minute im ersten Akt. Für e Räste vor Opere isch er stumm, und wele erstklassig Bariton laht sich schon la engagiere, für nid dörfe z singe?

 

So gseh mir der Blaubart am Schluss vo der Opere uf der Bühni stah, d Ariane geit von ihm, und dä hert, bösartig Ma macht nume e hilflos-stummi Gebärde, är wett sie ufhalte, zeige, dass är sich veränderet het, dass sie die einzigi Frau isch, won är je het gärn gha, und jetz, wo d Liebi en andere Mönsch us ihm het gmacht, da fählen ihm d Wort, är muess schwyge, und sie geit wäg und ds Orchester strömt u fliesst u klingt ...

 

(Musik)

 

D Opere "Ariane et Barbe-Bleue" handlet vo de merkwürdige Paradox im Läbe vo de Mönsche. Ds Paradox vo der Liebi hei mir scho glehrt kenne: d Gfüehl erwache nid zur glyche Zyt. Won är ändlich für sie ryf isch, isch sie scho am gah. Und vorhär, wo sie für ihn hett wölle läbe, het är sie no nid chönne verstah. Paradox.

Aber no paradoxer isch d Haupthandlig selber. Sie spieglet, nach der Meinig vom Olivier Messiaen, ds grosse Paradox us em erste Kapitel vom Johannes-Evangelium: "Und das Licht scheint in die Finsternis, und die Finsternis hat es nicht angenommen." Ds Liecht, wo i ds Fystere schynt, isch d Ariane, wo i d Burg vom Herzog Blaubart chunnt und die 5 Frauen befreit, wo da gfange sy. Die 5 Frauen aber läbe i der Finsternis, "und die Finsternis hat das Licht nicht angenommen". D Gfängnistüren isch offe, aber uf der Schwelle kehre d Frauen wieder um. Ds Liecht macht ne weh i den Augen. Und  a ds Fystere hei sie sich gwöhnt. Sie trage äbe ds Gfängnis i sich: "Weit dihr nid flüchte?", fragt d Ariane, "Vous ne cherchez pas à fuir?", u sie antworte: "On ne pourrait pas fuir, car tout est bien fermé, et puis c’est défendu."

 

(Musik)

 

D Kompositon vom Paul Dukas gilt als Gheimtip. Es git nume ei Yspielig, allerdings e ganz hervorragendi mit em Dirigent Armin Jordan, und us dere CD chöme ou üsi Byspiel. Ds Wärk bringt’s aber, dir heit’s scho vernoh, sozsäge nie uf d Bühni. Und für die meiste Lüt isch der Paul Dukas nume der Komponist, wo am Goethe sy "Zauberlehrling" vertont het.

 

Dass me vom Dukas so weni weiss, hanget dadermit zäme, dass är nume es halbs Dotze Kompositione het freigä. Der Räste, won är gschriebe het, het syni strängi Selbstkritik nid dürgegla, die Note sy alli i ds Füür. "Ariane et Barbe-Bleue" het der Dukas 1907 la uruffüehre. 7 Jahr Arbeit stöh hinter der Partitur. Das entspricht eire Sekunde Musik pro Arbeitstag.

 

So isch sie zstand cho, die unverglychlichi Partitur, wo sich nach usse unschynbar git, aber wo von inne här gseh mit höchster Sensibilität tuet de Müglichkeite vo der Musik nachegspüre; de Müglichkeite vor Tonalität, vo der Form, der Vervielfachig vom thematische Material, der Überlagerig vo Kläng.

 

(Musik)

 

Die Opere vom Paul Dukas isch nid für d Masse gschriebe. Die wenigste Lüt chöi se chüste: "Sa musique vit loin de la foule et des regards curieux. Tous l’admirent, peu la comprennent", het der Olivier Messiaen gschriebe.

 

Z Genf jetz, im Grand Théâtre, isch "Ariane" zur Uffüehrig cho: Der Richard Armstrong het ds Orchestre de la Suisse Romande mit ere ganz klare Vision gleitet, und ds Orchester het tönt wie sälte. Es isch der konzise Fragilität vor Partitur grächt worde. Erfreulich ou ds Sängerische, d Ellen Shade als Ariane, der Harry Peters als Blaubart.

D Auge het me aber müesse zuetue, trotzdäm, dass e Bühnebildner, der Yannis Kokkos, für d Inszenierig isch verantwortlich gsy. Aber me het gspürt, dass e richtige Regisseur het gfählt. Am Kokkos sy Personefüehrig isch schwach, und zwöi, drü kitschige Details hätt ihm e guete Regisseur dürta. So stellt d Uffüehrig vo dere Opere, wo vom Paradoxe redt, sälber es Paradox dar: der Bühnebildner stellt üs Sache vor d Auge, wo me gschyder nid aluegt. Derfür aber sött me uf das lose, wo us de Sänger chunnt und us em Orchestergrabe ufstygt.

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